Einige stellen sich sicherlich diese Frage: „Warum schreibst du eigentlich queere Fantasy? Und warum bitte schön Vampire – in Hamburg?!“
Und mein erster Gedanke ist: Warum denn nicht?
Fantasy war für mich schon immer der Ort, an dem man endlich mal alle Regeln über Bord werfen darf – gesellschaftliche, physikalische und modische gleichermaßen. Und wenn Queerness noch hinzukommt, werden die Möglichkeiten fast endlos. Wo sonst darf man gleichzeitig glitzern und Menschenblut trinken, ohne gleich einen Arztbrief zu bekommen?
Okay, Twilight, ich sehe dich – aber wir müssen reden. Das war mir alles eine Spur zu schnulzig-kitschig.
Und dann: Vampire!
Ich liebe sie einfach. Schon Nosferatu hatte Stil – dieser ewig hungrige, lichtscheue Typ, der aussieht, als hätte er das Nachtleben Berlins 1922 nie so ganz überwunden.
Dann natürlich Dracula, der Urvater aller blassen Diven: halb Aristokrat, halb Fledermaus, und garantiert der erste, der das Konzept von „toxichen Beziehungen“ perfektioniert hat.
Später kam dann Lestat aus Anne Rice’ Vampire Chronicles – der Rockstar unter den Untoten, ein Mann, der Make-up trägt, bevor es cool war. Dann natürlich Eric Northman mit seinem genialen Sidekick Pam aus True Blood, Damon Salvatore aus Vampire Diaries und nicht zu vergessen Niklaus Mikaelson aus The Originals? Last, but not least wäre da noch Deacon Frost aus Blade. Und ja, ich gebe zu, sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind gleichzeitig auch ziemlich sexy.
Kurz gesagt: Vampire sind seit Jahrhunderten schon immer die queeren Ikonen der Dunkelheit gewesen. Sie haben Stil, Beziehungsprobleme und ein kompliziertes Verhältnis zu Körperflüssigkeiten – ganz wie wir.
Und schon bin ich dann bei der queeren Fantasy, weil sie mir erlaubt, Figuren zu erschaffen, die sich nicht dafür entschuldigen müssen, wer sie sind – weder im Bett noch im Spiegel. Und wenn man schon Welten bauen darf, warum dann ausgerechnet eine, in der alles so heteronormativ ist wie in der Fußgängerzone am Samstagnachmittag? Eben!
Und Hamburg?
Weil diese Stadt die perfekte Bühne ist!
Hier trifft Hafennebel auf Straßenlaternenromantik, Reeperbahn auf Gothic-Vibes. Man stelle sich nur vor: ein Vampir, der in St. Pauli seine Opfer mit Astra statt Absinthe betört. Oder ein uralter Blutsauger, der in der Speicherstadt in einer klimatisierten Lagerhalle lebt und sich über steigende Mieten aufregt. Ich schwöre, Hamburg ist nachts manchmal schon so mystisch, dass ich mich wundere, wenn mir keine Fledermaus einen Kaffee anbietet. Komisch… Speicherstadt und St. Pauli kommen in Vampirnächte auf St. Pauli auch vor…
Also ja:
Ich schreibe queere Fantasy, weil ich darin alles sein darf – Held, Monster, Dramaqueen.
Ich schreibe über Vampire, weil sie das Queerste sind, was die Literaturgeschichte je hervorgebracht hat.
Und ich lasse sie durch Hamburg streifen, weil keine andere Stadt so sehr nach Mitternacht, Melancholie und weiter Welt riecht.
